Ekel Fasziniert 2
Klar, dass jetzt auch ich was zum ekligsten Buch schreiben muss, das momentan auf dem Markt erhältlich ist. Das euphemistisch in knallepink gestaltete Buch “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche ist eine wirkliche Neuheit. Ich habe jedenfalls noch nie zuvor ein Buch gelesen, dass mich derart durchgeschüttelt hat. Dazu musste ich auch noch die ganze Zeit lachen und mein Mitbewohner kam die ganze Zeit ins Zimmer um zu fragen, was ich denn grade gelesen hätte.
Anfänglich muss das Buch scheinbar überall ausverkauft gewesen sein, mittlerweile liegt es im Buchladen in Konstanz sogar schon an der Kasse und ein extra großer Verkaufstischschrein leutet auffällig pink im Eingangsbereich.
Deutschland im Ekelfieber. Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit von der ekligen Helen fasziniert. Popel- und Pickel-Esser, Menschen, die so oft wie möglich an möglichst vielen Orten Körperausscheidungen für ihne Umwelt hinterlassen, Perverse, die sich an schmutzigen Toiletten aufgeilen. Die 18-jährige (hoffentlich fiktive) Helen verkörpert sie alle auf einmal. Gibt es solche Menschen wirklich? Vielleicht die Frau, die grade vor mir die Toilette im Kaufhaus benutzt hat? Wir wollen es vielleicht lieber nicht so genau wissen.
Doch eins fällt mir immer wieder auf: Viele Frauen waschen ihre Hände nach dem Gang zu Toilette nicht. Was soll ich über die Frau denken, die aus der Toilette ( in der Bar) kommt und an mir und dem Waschbecken, ohne auch nur hinzublicken, vorbeirauscht? Ist das eklig?
Warum erzählt mir ein Freund, der in genau dieser Bar arbeitet, dass der Papiermülleimer (für die Papierhandtücher) in der Frauentoilette, nachts beim aufräumen, nicht mal halb voll ist, während er auf der Männertoilette überquillt? Weil Frauen eklig sein können! Es liegt nicht daran, dass die Bar zum größeren Teil von Männern besucht wird. Ich möchte hier ein für alle Mal mit dem Gerücht aufräumen, Frauen wären reinlicher. Es stimmt definitiv nicht!
Um nochmal zurück zum Buch zu kommen: Es könnte einem eventuell schlecht werden. Ich konnte es nicht auf einmal durchlesen, sondern anfänglich in kleinen Dosen meinen Geist an die hohe Ekelkonzentration gewöhnen. Nach drei Vierteln des Buchs hab ich mich dann über mich selbst gewundert: Ich konnte tatsächlich nebenher essen. Trotz Blut, Pickeln und Fäkalien.
Man gewöhnt sich eben an alles.









Mehr Männer trinken mehr Bier und müssen häufiger auf die Toilette. Hoffen wir es
Ich bin jedenfalls dir und den elfundzwanzig weiteren FeuchtgebieterforscherInnen in meiner Umgebung von Herzen dankbar, dass ich dieses Buch nicht selber lesen muss, um zu wissen, was drin steht