Article written

  • on 01.07.2008
  • at 12:16 AM
  • by lola

Prokrastination 0

Jul1

Als ich heute morgen, wie so oft, das Lernen vor mir herschob, gab mir Patrick gleich noch einen weiteren Grund dazu. Er meinte, es gäbe gerade einen passenden Artikel zu Prokrastination im Spiegel.
Ein für mich sehr relevantes Thema, leide ich doch sehr stark darunter. Im Artikel gab es glücklicherweise noch mehr Links zum Thema, sodass ich mich weiter ablenken konnte. Darunter ein Test, in dem ich als so schwerer Fall eingestuft wurde, dass ich doch psychologische Hilfe in Betracht ziehen solle.
Das hat mich doch ein wenig stutzig gemacht. Wieviele Psychologen bräuchten wir in Deutschland um allein all die prokrastinierenden Studenten aufzufangen? Unzählige!
Wer kennt sie nicht, die Aufschieber, deren Wohnung vor der Klausur nicht nur sauber, sondern rein ist, die wirklich jede denkbare Aufgabe erledigt haben (nur nicht die eigentlich nötige), die im 5-Minuten-Takt zum Kühlschrank rennen ,um zu schaun, ob vielleicht nicht doch noch was Leckeres zu finden ist und die schon mit jedem Bekannten Eis essen waren, um sich vom Stress abzulenken.
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich dieses Semester viel früher angefangen habe zu lernen als gewöhnlich und mit den zwei lernträchtigsten Fächern vom Stoff schon einmal ganz durch bin. Und das schon mehr als eine Woche davor. Ein neuer Rekord! Normalerweise muss das leidige Zeug am Tag zuvor in den Kopf geprügelt werden. Und irgendwie hat das auch immer funktioniert, mein ganzes Leben schon (außer ein Mal). Und ich behaupte, dass ich nicht ganz alleine daran Schuld bin. Schuld war auch die Schule. Sicher. Hat ja immer geklappt oder? Wars nicht immer viel zu einfach?
Ich schiebe auf und auf und denke, oh nein, es ist so viel zu tun und ich schaffe das nie und das macht keinen Spaß und dann, wenn ich endlich angefangen habe, merke ich, dass eigentlich alles halb so schlimm ist und sogar Spaß macht. Nur dummerweise habe ich dann nur noch einen Tag.
Doch gibts nicht auch Vorteile? Letztendlich lernt man beim Aufschieben, Dringliches und Wichtiges zu unterscheiden und tatsächlich effizienter (wenn auch nicht effektiver) zu Lernen. Man Reduziert den Aufwand auf ein Minimum und holt trotzdem ein annehmbares Ergebnis heraus (Im Idealfall). Effektiv hat man nur langfristig nicht viel dabei gelernt.
Komisch ist auch, dass ich Dinge verschiebe, die mich eigentlich interessieren. Ich studiere aus Interesse, genau das, was ich studiere. Aber weil ich lernen MUSS, WILL ich doch lieber das tun, was ich NICHT MUSS. Zum Glück interessiere ich mich auch für Literatur und Theater und Film und Reisen und und und und!
Ich will das Ganze jedoch nicht schön reden, im Endeffekt bringt es mir nur Nachteile und vor allem psychischen Druck. Nie geht es mir schlechter, als mit dem Bewusstsein, 1000 Dinge machen zu müssen und mit allem zu spät dran zu sein. Man hat das Gefühl sich selbst und seinen hohen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Und mit dem Ergebnis ist man auf jeden Fall unzufrieden, weil man weiß, dass man es besser hätte machen können, hätte man doch nur ein wenig früher angefangen…
Wer mir hilft sind Indra und Amelie. Wir lernen seit drei Wochen zusammen und sind uns somit gegenseitig ein Stück weit verpflichtet. Alleine hätten wir wohl erst zwei Tage vorher angefangen. Jetzt sind wir aber schon einmal durch den Stoff durch.
Vielleicht meistere ich mein Studium auch ohne psychologische Hilfe.

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