Article written

  • on 12.10.2008
  • at 02:59 PM
  • by lola

Ab in die Krise 2

Okt12

Als vor längerer Zeit die Nachrichten von der geplatzten Immobilienblase zu uns kamen, habe ich mir dabei nicht mehr Gedanken gemacht als “Typisch Amis, die spinnen doch eh”. Dass wir bald genauso dumm da stehen würden und das das Ganze Auswirkungen auf uns und damit auch mich selbst haben würde, damit hätte ich nie gerechnet. Wirtschaftskrise? Heutzutage und nicht nur im Geschichtsunterricht?
Ich sehe schon bildlich vor mir, wie meine Enkel mich in 50 Jahren fragen, wie ich diese Zeit empfunden habe… “Ach Kinder, ich bin in einer Zeit des Überflusses aufgewachsen, es gab nie Krieg und wir hatten mehr als wir brauchten. Unser Kühlschrank war immer voll und wir schmissen das meiste davon weg, weil wir doch gar nicht soviel essen konnten. Und ihr werdet ist nicht glauben, aber die Leute waren tatsächlich krank, weil sie zuviel aßen!”
Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie Angst vor der Zukunft, aber jetzt plötzlich bin ich mir da doch nicht mehr so ganz sicher.
Seit vier Wochen hat mein koreanischer Mitbewohner einen 40% schlechteren Wechselkurs. Ein anderer Freund hat sein gesamtes Guthaben bei der Schweizer UBS in bar abgehoben. Bekannte von mir, die bei einer Bank in London arbeiten, haben Angst um ihre Jobs und könnten im Ernstfall ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen. Und vor drei Tagen schloss die Börse in Jakarta.
Es betrifft mich! Zwar fielen die Arbeitslosenzahlen im September noch, aber wir wissen, dass die Auswirkungen erst mit halbjähriger Verzögerung auftreten. Das bedeutet, die Unternehmen bekommen keine Kredite mehr bei den Banken, können kaum noch Investitionen tätigen, bei Forschung und Entwicklung wird gespart, Arbeiter werden entlassen, der Konsum geht zwangsläufig zurück, auch schon wegen der Zukunftsangst. Und was macht mein Vater dann, der Handwerker, also Maler, ist? Wenn die Zeiten schlecht sind, dann kann der Hausanstrich auch noch ein paar Jahre warten. Der Teppichboden tuts auch noch für einige Zeit.
Ich hoffe inbrünstig, dass das alles irgendwie abgewendet werden kann. Auf das unsere Politiker gute Notlösungen finden!

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There are 2 comments for this post

  1. Erik sagt:

    Liebe Lola, so ein Zinssystem ist von Anfang an dazu verdammt nach ein paar Jahrzehnten hyperinflationär zu Grunde zu gehen. Ich würde es allerdings nicht so negativ sehen. Weil realistisch betrachtet leben wir hier in Europa auf Kosten anderer, auf Kosten derjenigen, die uns u.a. aufgrund des Währungsgefälles fast alle Güter des täglichen Bedarfs liefern und dafür teilweise miserabel leben. Vielleicht führt das zu einer ausgleichenden Gerechtigkeit und nicht nur dazu, dass demnächst alle rot wählen (und dann rot sehen werden …).

  2. Viola sagt:

    Lieber Erik, es wird vielleicht zu Grunde gehn, aber hat uns die Geschichte nicht gezeigt, dass sie sich wiederholt? Denkst du wirklich, dass wir durch Krisen mehr Gerechtigkeit bekommen? Klingt utopisch, das wäre ja ein schon sehr glücklicher Zufall.

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