Article written

  • on 19.12.2008
  • at 05:18 PM
  • by lola

Pistazien sind die besseren Liebhaber 2

Dez19

Vor ein paar Wochen hat es meinen Papino, meinen Fratello und mich mal wieder nach Sizilien verschlagen. Nicht nur Freunde und Verwandte, die Kultur und Landschaft haben uns gefehlt - Nein, wir hatten auch mal wieder so richtig Hunger!
Was mir wieder besonders auffiel und gefiel, war, dass praktisch jede Küche dort saisonal und lokal kocht. Deshalb gab es jeden Tag irgendwas mit wildem Spargel. Frittata mit wildem Spargel, Pasta mit Tomatensoße und wildem Spargel, in den Polpette steckte wilder Spargel und dass es zum Nachtisch nicht auch noch wilden Spargel gab, hat mich fast noch gewundert. Ich mag wilden Spargel wirklich, deshalb kam mir das recht gelegen.
Wie jedesmal sind wir mit meinem Zio Pepe früh morgens in das Caseificio (Käserei) gefahren und haben zugesehn, wie frische Ricotta aus Lab, Schafs- und Kuhmilch gemacht wurde und haben gleich die erste frische Portion zum Frühstück verdrückt. Dieses Mal hatten wir das Glück, dass die Schafe grade frisch gemolken wurden, als wir da waren und so haben wir unglaublich frische, aromatische Schafsmilch getrunken. Ich war überwältigt. Vergesst Kuhmilch, die wird total überbewertet! Schafsmilch und damit Käse gibt es aber in dieser Jahreszeit nur wenig, da die Schafe grade ihre Lämmer haben und man denen ja nichts wegtrinken will.
Bei Milch und Ricotta kam es mir so vor, als würde ich die frischen Kräuter schmecken, die die Schafe noch kurz davor auf den Wiesen gefressen hatten. Seit ein paar Wochen hat es nämlich wieder auf Sizilien geregnet, daher wuchsen die Pflanzen auch wieder und alles war grün.

Nicht nur die Milch war frischer als bei uns, sondern auch der Fisch. Mittags auf dem Weg von Agrigento zu meinem Zio Domenico, der in Cattolica wohnt, sind wir durch ein Dorf gefahren, in dem grade alle ihr Mittagschläfchen gemacht haben. Nichts war los, nur ein kleines Dreiradauto stand auf der Piazza, drei alte, kleine, italienische Männer standen drum herum und auf der Ladefläche türmte sich der frische Fisch und die so extrem frischen Tintenfische, dass sie sich sogar noch bewegten. Leider ist mein Sizilianisch noch zu schlecht, so dass ich dem alten Fischer leider nicht klar machen konnte, dass er doch bitte den armen Tintenfisch schnell töten soll, damit er nicht mehr leiden muss. Wir sind jedenfalls mit 5 Kilo frischestem Fisch nach Hause gefahren. Ich war glücklich. Und noch viel mehr als Lia uns den Fisch abends gebraten hat…

Ach und wäre es nur das Essen gewesen… aber da war auch noch der Caffè! Keiner der neun Tage verging ohne den mehrfachen Gang zur Bar in der Piazza wo ich meinen geliebten Cappucino zu mir nahm. Egal wann. Ich trinke Cappucino auch Abends. Da kommt eben meine deutsche Seite durch und das ist ja wohl auch völlig legitim. Was machen sie anders? Warum schmeckt der Caffè in Italien grundsätzlich besser, auch wenn man mit gleicher Maschine und selber Caffèmarke arbeitet? Die neuste Theorie meines Bruders ist die Milch. Er meint, würde man in Deutschland die italienische Milch benutzen, würde man wohl zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Wir haben es aber leider nicht ausprobiert, daher steht der Beweis noch aus.

Neben der Ricotta, dem wilden Spargel, dem Fisch und dem Caffè müssten auch noch die Granatäpfel frisch vom Baum, sowie die reifen Kaki erwähnt werden, die ich mir natürlich auch nicht entgehen lies. Pünktlich zu unserem Aufenthalt wurden die ersten Orangen reif und so habe ich meine neun faulen Tage mit nicht viel anderem zugebracht, als zu essen.

Jeweils fünf Kilo schwerer und schweren Herzens sind mein Papino, mein Fratello und ich wieder ins kalte Deutschland geflogen, dass uns mit weißen Schneedecken begrüßte.

Im Gepäck mitgebracht hatte ich 2 Kilo Pistazien und im Kopf ein simples Rezept, das heute endlich seine Anwendung gefunden hat. Tatjana, Peter und Helge sind meine Zeugen:

Für 4 Personen bzw. 500g Spaghetti nimmt man

- ca. 80gr gemahlene, ungesalzene Pistazien
- ca. 80 ml allerallerallerbestes Olivenöl (wendet euch an mich)
- ca. 120g frisch geriebener Parmesan
- Salz und schwarzer frisch gemahlener Pfeffer

Die Nudeln in viel Wasser al dente kochen und währenddessen die Pistazien, das Öl, Salz und Pfeffer zusammenrühren. Lieber erst sparsam salzen, durch den Parmesan kommt später noch mehr Salz dazu. Die Nudeln abgießen und auf jeden Fall nicht zu wenig vom Kochwasser auffangen. Nun gibt man ca. 50ml des Nudelwassers zurück in den Topf, verrührt darin die Pistazienölmasse und den geriebenen Parmesan. Bei Bedarf noch ein bisschen mehr Nudelwasser hinzufügen, aber Vorsicht - die Konsistenz sollte noch leicht musartig bleiben. Die Nudeln zur Masse zurück in den Topf geben, sehr gut vermengen und bei Bedarf jetzt noch nachsalzen.
Auf warmen Tellern servieren und frisch essen.
Falls die zweite Portion schon zu trocken sein sollte, einfach noch etwas vom Nudelwasser dazugeben und vermischen, dann schmeckt es wieder wie frisch.

subscribe to comments RSS

There are 2 comments for this post

  1. Helge sagt:

    ..und es hat hervorragend geschmeckt!!

Please, feel free to post your own comment

* these are required fields

Lola On Tour is powered by WordPress and FREEmium Theme.
developed by Dariusz Siedlecki and brought to you by FreebiesDock.com