Der Wunsch nach Unauffälligkeit 0
Ich kann machen was ich will, ich falle hier einfach immer auf. Dass das auch unangenehm sein kann, sieht sicher jeder ein.
Kleines Beispiel: Gestern Abend habe ich mir den Indonesischen Abend hier auf dem Kampus nicht entgehen lassen (Ich bin übrigens hier in Malaysia, nicht in Indonesien - andere Länder, andere Sitten, ANDERE Sprache). Der Abend fand in der größten Halle mit schrägen Sitzreihen hier an der Uni statt.
Die Indonesischen Studenten aus Sumatra haben neben traditionellen Tänzen und Musik auch eine echt tolle Fashionshow gemacht, mit echten Models und echter Designerabendkleidung, die man zum Beispiel bei Hochzeiten (als Gast) trägt. Der Abend war wirklich toll und es hat Spaß gemacht, den Tänzen zuzuschauen - bis die Tänzer plötzlich in die Zuschauerreihen kamen. Und wer wird natürlich sofort aufgefordert?
Die superblonde Deutsche, die zwischen 300 Schwarzhaarigen Asiaten sitzt. Sitzen bleiben ging nicht. Ich wurde praktisch gezwungen, mit auf die Bühne zu kommen und mitzutanzen. Na toll. Tapfer lächelnd hab ich die Schmäh erträgen, versucht mich auch nur annähernd so zu bewegen, wie die grazilen kleinen Asiatinnen in ihren bunten Stoffhüllen, aber wie denn?!
Hochrot und immernoch tapfer lächelnd bin ich nach sich ewig ziehenden Minuten voller Aufmerksamkeit (Die Augen hunderter Studenten auf mich gerichtet) endlich an meinem Platz zurück geführt worden. Wo sind die Löcher im Boden, wenn man sie mal braucht?
Der Tag heute verlief zum Glück weniger peinlich, wenn auch nicht pannenfrei. Mittags durften wir deutschen Studenten ein Lied zum German Day an der Sprachenfakultät beitragen. Nachdem ein semiprofessionelles Streichquartett Mozarts kleine Nachtmusik und einige Stücke von Händel vorgegeigt hatten, mussten wir “Über den Wolken” von Reinhardt Mey zum Besten geben. Und immer schön lächeln. Und auch das ging irgendwann vorbei.
Am Abend kamen Christian, Benni und unsere Tutorin Soraya zum italienischen Essen. Ich habe mittags schon die Tomatensoße aufgesetzt, damit sie schön durchzieht und lecker wird. Gegen Abend war sie perfekt, ich wollte sie nur nochmal kurz aufwärmen. Ich war zwei Minuten weg um die Waschmaschine anzumachen - zwei kurze Minuten für mich, zwei tötliche Minuten für die Tomatensoße. Als ich zurück kam war sie so dick und schwarz angebrannt, dass sogar Umschütten nichts mehr half. Der verbrannte rauchige Geschmack hat die ganze Soße durchzogen. Ab ins Klo damit - wie ward mir weh ums Herz!
Plan B stellte sich als würdigen Ersatz raus, die Reservedose geschälter Tomaten wurde in Windeseile zu einer Soße für die geschichteten Auberginen mit Parmesan veredelt, statt Spaghetti mit Tomatensoße gab es Spaghetti Aglio e Olio gestreckt mit Butter und ein paar frischen Tomaten, Bruschetta mit Tomaten und gebratene Paprika. Und das mitten in Malaysia!
Und wieder ist ein Tag im faszinierend facettenreichen Leben der wundersam weitgereisten Lola vorübergegangen. Was wird uns wohl in der nächsten Folge erwarten?









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