Article written

  • on 01.04.2009
  • at 04:21 PM
  • by lola

Tourismus - Ein zweiseitiges Schwert 3

Ich will kein Geheimnis daraus machen - Ja, ich studiere da, wo andere Urlaub machen. Nein, dieses Mal rede ich nicht von Konstanz, sondern von einer Insel in Südostasien. Kein Grund zum Neid, auch ich muss erst ein paar Stunden mit der Fähre fahren, um das türkisklare frische Nass zu erreichen, das nicht getrübt ist von Müll und Abwasser.
Tüten, Flipflops, Dosen, Flaschen, Verpackungen, Kanister und Unvorstellbares schwimmt in diesem Wasser und wird an die schönsten und paradiesischsten Strände geschwemmt, die ich je gesehen habe. Vielleicht durch diverse Fabriken und Düngemittel von Feldern, wird das Wasser braun und trüb und läd nicht gerade zum Baden ein. An Schnorcheln ist gar nicht zu denken. Den Fischen und Korallen macht die Dreckbrühe sicher auch keine Freude.
Vorbei die Illusion, anderswo auf der Welt könnte der Fortschritt und die Verschmutzung halt gemacht haben. Und während man nach diesem Flecken Erde sucht, infiziert man alles mit dem, wovor man davon läuft.

So trage ich als Tourist dazu bei, dass auf einer kleinen Insel immer mehr und mehr Bungalows gebaut werden, Stände mit Hotelanlagen zubetoniert werden und damit eine Entwicklung stattfindet, die eigentlich keiner will.
Dem Entspannen am Strand, dem Schnorcheln am fast unberührten Riff haftet demnach immer ein schaler Beigeschmack an.

Bei solchen Gedanken fällt es mir immer schwerer Vorteile für Tourismus allgemein in diesen Gegenden zu finden. Was haben die einheimischen Inselbewohner vom anscheinenden Fortschritt und den Devisen, die wir ihnen bringen? Für sie selbst bleibt kaum noch Platz, wir sind laut, schmutzig und wollen immer nur das Gleiche. Snorkeling Trips, Bamboo Bungalows, Toast and Eggs, Massage und jamaikanische Musik. Was zum Teufel haben Dread Locks und Bob Marley in Thailand verloren? Wo bleibt die Individualität, wenn auf jedem Flecken Erde, worauf ein Backpacker jemals einen Fuß gesetzt hat, jeden Abend “No Woman No Cry” gespielt wird? Egal ob der Sänger Schlitzaugen hat, hauptsache er hat ein Tattoo und verfilzte Haare.
Ich bin für mehr Authentizität und Bewusstsein im Tourismus.

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There are 3 comments for this post

  1. Falls sich zu den Tüten, Flipflops, Dosen, Flaschen, Verpackungen und Kanistern auch noch Bonbonpapiere gesellen sollten, könnte man dies hier empfehlen:

    http://www.youtube.com/watch?v=IOXvvnMetII

  2. ich LIEBE diese Youtube Videos!
    Allerdings ändert das sicherlich nichts am Problem der Nachhaltigkeit von Wirtschaft.
    Grüße aus dem trüben San Diego!

  3. nata sagt:

    ist es nicht so das eben wegen dem tourismus viele strände sauberer sind? sodass das wasser doch zum baden einläd? was glaubst du sagen die einheimischen die vom tourismus leben dazu, das einfach die touristen wegbleiben weil keine hotels da sind - was sollen sie denn sonst machen? ihnen ist heutzutage die industriegesellschaft auch nicht fremd und haben dann auch den drang nach mehr wohlstand.
    ich seh das eher als den ersten schritt für mehr möglichkeiten…du studierst dort wo andere urlaub machen und wieviele studieren dort die dort auch leben, auf das ganze land bezogen? die haben es sicher nicht so einfach wie du, ein leben am anderen ende der welt zu beginnen. und wenn das nun mal heißt das sich ein vater als bob marley verkleidet damit seine kinder nicht hungern müssen oder eben wenigstens zur schule gehen können, dann macht das jeder. egal aus welcher kultur er kommt oder nicht. wie du schon sagst - besser aber - 2 seiten der medaille, also berücksichtige auch die andere.

    lg

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